• Die Tanzhaltung: „Wie stehe ich eigentlich da?“

  • Kennen Sie das? Verkäufer X hat kein besseres Produkt als sein Konkurrent – und trotzdem macht er doppelt so viel Umsatz. Er „kommt gut rüber“, wie man umgangssprachlich sagt. Sie als Tanz-Fan wissen natürlich, woran das liegt: Verkäufer X hat eine gute Körperhaltung. Und das wirkt.

    In diesem Artikel geht es um Körperaufbau und Haltung in den Standard- und Lateintänzen. Denn die Grundhaltung ist die Basis für alles. Wer beim Jive vor Energie sprüht, wer beim Langsamen Walzer das Parkett zum Schmelzen bringt, der sieht bereits dann richtig gut aus, wenn er sich „nur“ aufstellt. Er kann sich in seinem Tanzbereich frei bewegen, ohne den Partner in dessen Tanzbereich zu stören. Er kann jeden Rhythmus umsetzen und beherrscht auch schwierigere Choreografien. Weil die Balance des Körpers stimmt. Dabei umfasst dieses Thema zwei Aspekte: den guten Körperaufbau des Einzelnen und die korrekte Paarhaltung.

  • Die richtige Tanzhaltung in den lateinamerikanischen Tänzen

  • Sich mit dem Temperament eines Latino zu bewegen – mancher Mitteleuropäer glaubt vielleicht, das schaffe er nie. Stimmt nicht! Beginnen wir mit dem Stand. Lateintänzer brauchen einen aufrechten und gleichzeitig relaxten Stand, im Fachjargon „beweglichen Grundspannung.“ Klingt kompliziert? Nein. Gehen wir die Haltung in den Lateintänzen Punkt für Punkt durch.

    Das Becken befindet sich in der Neutralposition, wobei das Gewicht zum Boden arbeitet. Wird die Wirbelsäule gestreckt, hebt sich der Brustkorb. Die Schultern arbeiten mit ihrem eigenen Gewicht über das Standbein zum Boden. Der Hals wird als Verlängerung der Wirbelsäule gestreckt und der Kopf ein bisschen zurück genommen, so dass das Kinn eine Parallele mit dem Boden bildet. Adduktoren und Abduktoren sind in Spannung und halten den ganzen Körper bei der Bewegung von Fuß zu Fuß in Balance. Das klingt jetzt sehr theoretisch, aber sobald Sie mit unseren Trainern an sich arbeiten, erkennen Sie all diese Elemente wieder!

  • Typische Fehler und wie man sie korrigiert

    Im Übereifer kann man einiges falsch machen. Mancher Tänzer überstreckt die Wirbelsäule so, dass er ein Hohlkreuz bekommt, was dann wiederum das Becken nach hinten verschiebt. Solche Fehler sind vor allem am Anfang ganz normal. Sie können sie selbst kontrollieren: Legen Sie Ihre Hände auf Ihre Leisten. Sind diese noch flach und lang? Oder bilden sie einen Knick? Falls Sie einen Knick spüren, korrigieren Sie Ihr Becken und richten sich nochmals gerade auf. Übrigens auch eine gute Übung für zwischendurch im Büro, wenn man zu lange am Schreibtisch gesessen hat!

    Ein weiterer typischer Fehler sind die Schultern. Es kann passieren, dass man sie anhebt, was dann wiederum Auswirkungen auf den Hals hat. Dieser erscheint dann nicht mehr lang, Sie verspannen sich. Wenn Sie das bei sich feststellen, denken Sie einfach daran, dass die Schwerkraft für Sie arbeitet! Stellen Sie sich einen Zweig voller Weintrauben vor, den Sie am Stiel halten und nach unten hängen lassen. Der Stiel symbolisiert die Wirbelsäule und die Trauben die Schultern.

    Übrigens feilen auch erfahrene Tänzer immer wieder an ihrer Haltung. Das Gute daran: Wenn Sie lernen, auf ihren Körperaufbau zu achten, machen Sie schnell Fortschritte. Davon profitiert nicht nur Ihr Tanzen, sondern auch Ihre Gesundheit!

  • Die richtige Paarhaltung im Lateintanz

    Und wie findet jetzt das Paar seine gemeinsame Grundposition? Am häufigsten kommen zwei Positionen vor, die geschlossene Haltung und die offene Position.

  • Ob Cha Cha Cha oder RumbaSamba oder Jive – die geschlossene Haltung ist in all diesen Lateintänzen gleich. Die Partner halten einen Abstand von etwa 15 Zentimetern ein. Die Dame orientiert sich leicht an der rechten Seite des Herrn. Der Herr legt seine rechte Hand so auf den Rücken der Dame, dass er den unteren Teil ihres linken Schulterblatts umschließt. Der rechte Arm bildet einen leichten Bogen, wobei der Ellenbogen etwa auf Brusthöhe gehalten wird.

    Die Dame legt ihren linken Arm leicht auf den oberen Teil des rechten Arms ihres Partners, ihre Hand liegt auf seiner Schulter. Dabei hält sie ihren Arm selbst, bitte nicht „aufstützen“! Tanzerfahrene Damen stellen mit der Zeit fest, dass sie mehr Kraft in Schultern und Armen gewinnen. Der Herr bildet mit seinem linken Arm einen leichten Bogen und hebt den Unterarm so an, dass seine Hand – mit gestrecktem Handgelenk – etwa in Höhe seiner Nase schwebt. Die Dame gibt ihre rechte Hand in die linke Hand ihres Partners. Die gefassten Hände befinden sich auf einer gedachten Mitte zwischen den beiden Körpern. Auch hier gilt: bitte nicht „klammern“! Die Dame hält ihren ganzen Körper stets selbst, deshalb wird die richtige Tanzhaltung ja auch einzeln geübt.

    Übrigens sieht so auch die Haltung im fünften Lateintanz aus, dem Paso Doble. Hier galt lang, dass sich die Körper vom Oberschenkel bis zur Brust berühren. Mittlerweile tanzen viele Paare jedoch auch den Paso mit einem kleinen Abstand.

  • Die offene Tanzhaltung erlaubt dem Paar mehrere Varianten. Hier spielt die Handhaltung eine große Rolle, und die hängt von der Figur ab, die der Herr führt. Links zu rechts, rechts zu links, rechts zu rechts, doppelte Handhaltung – oder auch mal ohne Handhaltung. Wichtig ist immer: der Tänzer zeigt mit dem aktiven Arm leicht vorwärts und zieht ihn ungefähr auf Höhe des Bauchnabels leicht heran.

  • Die korrekte Tanzhaltung im Standardtanz

    Auch die Eleganz des Standardtanzes basiert auf der richtigen Körperhaltung. Genau wie bei den Lateintänzen auch, müssen beide Partner die eigene Haltung beherrschen. Das beginnt mit dem aufrechten Stand. In der Grundposition ruht das Gewicht über der Fußmitte des Standbeins, der andere Fuß ist frei. Von der Seite betrachtet läuft eine gerade Linie vom Kopf bis zu den Füßen. Alle Elemente des Körpers stehen senkrecht übereinander.

  • In der geschlossenen Haltung stehen sich Dame und Herr leicht seitlich nach links versetzt gegenüber, so dass der rechte Fuß des einen Partners zwischen die Füße des anderen zeigt. Vorwärtsschritte gehen daher mit rechts zwischen die Füße des Partners und mit dem linken Fuß außenseitlich am rechten Fuß des Partners vorbei. Vielleicht kennen Sie den Begriff „auf Tuchfühlung“ – das setzt man im Standardtanz um. Die Partner haben auf der rechten Körperseite leichten Kontakt von der Leiste bis zum unteren Rippenbogen.

    Der Herr platziert seine rechte Hand knapp unterhalb des linken Schulterblattes der Dame, so dass sein Ellenbogen bis zu den Fingerspitzen eine leicht abfallende gerade Linie bildet. Sie legt ihren linken Arm auf seinen rechten. Ihre wie im Lateintanz gefassten Hände (die rechte der Dame und die linke des Herrn) halten sie auf Höhe zwischen seiner und ihrer Augenlinie.

    Beim Tango jedoch gilt eine andere Standardtanzhaltung: Er legt seinen rechten Unterarm über den Rücken der Dame, seine Finger reichen meist über ihre Wirbelsäule hinaus. Sie hält ihre Hand mit waagerechtem Unterarm unter seine Achsel. Denn beim Tango muss der Herr seine Führungsimpulse unmittelbarer an seine Dame weitergeben als bei den Schwungtänzen Langsamer Walzer, Wiener WalzerSlowfox und Quickstep. Die Kopfhaltung wiederum ist in Standard immer gleich: jeder blickt über die rechte Schulter des anderen.

  • Kleine Helfer zum Alleine-üben

    Möchten Sie allein an ihrer Körperhaltung arbeiten, helfen ihnen Trainingsgeräte und Hilfsmittel wie Therabänder oder Fitnessbänder (sehen Sie sich unten unsere passenden Angebote an). Ob Sie nun gezielt die Arme trainieren, die Beine, oder allgemein ihre Tanzhaltung verbessern – diese Geräte unterstützen ihre Körperspannung. Schon alleine davon werden Sie profitieren.

  • Das ist mir meine Haltung wert!

    Sie möchten sich einmal gezielt für dieses Thema Zeit nehmen? Eine private Tanzstunde zur Optimierung der Haltung lohnt sich immer. Übrigens arbeiten nicht nur unsere Teilnehmer aus den Anfängerkursen daran, sondern auch Teilnehmer der Tanzkurse für Fortgeschrittene. Und Turniertänzer sowieso! Eben weil die Tanzhaltung in Standard und Latein die Basis für alles ist.

  • Die Tanzhaltung: „Wie stehe ich eigentlich da?“
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